Alois Potton hat das Wort [Nr. : 33, 12/1999 ]


 

Werbeseiten in PIK

 

Wie in anderen Zeitschriften gibt es auch in PIK (bezahlte?) Werbeseiten. Ihr Wert oder ihre Wirkung für den Werbetreibenden ist aber vielleicht manchmal etwas zweifelhaft. Betrachten wir etwa Heft 3/99:

Auf der Innenseite des vorderen Umschlags findet sich eine ganzseitige Anzeige des treuen Kunden dpunkt-Verlag: Ich weiß nicht, warum ich beim Namen dieses Verlags regelmäßig auf nicht ganz jugendfreie Gedanken komme. Vielleicht liegt das ja auch an einem der dort vorgestellten Buchtitel, nämlich "Safer Net".

Einige Seiten weiter hinten gibt es eine Werbung für die Java-Informationstage, also offenbar für eine Tourismusmesse mit drastisch eingeschränktem Zielgebiet (kann sich solch eine Messe überhaupt rentieren?). So ein Pech aber auch: Beim Erhalt des Heftes ist die Veranstaltung schon vorbei, obwohl ich es als Schreiber dieser Zeilen sogar um einige Zeit früher als der normale Abonnent erhalte. Dass ich nicht teilnehmen kann, ärgert mich aber nur wenig. Ich werde nämlich dadurch getröstet, dass Düsseldorf als Veranstaltungsort genannt wird; dort muss ich nun wirklich nicht hin. Zumal in diesem Dorf eine Ministerin wirkt, die mich an mindestens vier Werktagen pro Woche per Dekret an meinem Dienstort festhalten will. Aber dann hätte ich ja sowieso nicht die zweitägige Veranstaltung durch meine Anwesenheit beglücken können! Jetzt kann die Ministerin mal sehen, was sie mit ihrem Blödsinn anrichtet. Übrigens sind die Konferenzinhalte ungeheuer interessant: "Im Vordergrund steht die fachlich fundierte und durch Tatsachen untermauerte Betrachtungsweise". Wer hätte das vermutet? Folgt daraus nicht: "Im Hintergrund steht die durch keine Fachkenntnis getrübte und rein spekulative Sicht"? Also da wäre ich dann doch nicht hingegangen, selbst wenn ich früh genug davon erfahren und die Ministerin es mir nicht verboten hätte.

Wiederum einige Seiten weiter kommt der verzweifelte Ruf nach Teilnehmern für EDOC’99 in Mannheim. Allerdings ist auch diese Veranstaltung zum Zeitpunkt, wo ich das lese, gerade am ab am laufen (wie der Rheinländer sagt). Die Organisatoren haben sich sogar noch eine zusätzliche ganze Werbeseite auf dem hinteren Rückumschlag geleistet, obwohl niemand das Ereignis via PIK buchen konnte. Ob die das noch einmal tun werden? Auf der hinteren Werbeseite wird mir zudem mitgeteilt, dass der Earlybird-Termin schon zwei Monate verstrichen ist (ätsch!), aber den frühen Vogel holt sowieso bekanntlich die Katz‘. Außerdem wird mir verschwiegen, was ich als Frühvogel gespart und wieviel es mich trotzdem noch gekostet hätte. Ich muss auch neidvoll zur Kenntnis nehmen, dass die Veranstaltung mindestens zwölf, vielleicht sogar vierzehn, Sponsoren gefunden hat; da braucht man mich als zusätzlichen Teilnehmer ja eh nicht mehr.

Die Konferenzankündigung selbst macht einen ganz geschäftsmäßigen Eindruck, aber halt: Eines der Ziele ist "Repositories and Databases Supporting Reuse". Das ist nun wirklich der Gipfel! Dr. Reuse (vom BMBW ex BMFT ex BMZ für "Zukunft") ist ja wirklich ein lieber Mensch, aber ihn auch noch finanziell zu unterstützen, das geht zu weit. Und deswegen hätte ich die Veranstaltung auch dann nicht besucht, wenn es mir zeitlich möglich gewesen wäre.

 

Dass die Uni Hannover einen Leiter für ihr Rechenzentrum auch via PIK sucht, ist erfreulich. Ich wünsche dieser Ausschreibung viel Erfolg, will sie aber ansonsten unkommentiert lassen, ebenso wie die Werbung für die MMB’99 in Trier (die bei Hefterhalt ebenfalls schon Historie war). Ein Detail vielleicht noch: die Hannoveraner scheinen PIK gut zu kennen, denn Bewerbungsfrist für die ausgeschriebene Stelle ist "sechs Wochen nach Erscheinen dieser Anzeige". Das ist eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme, es ist aber nicht sicher, dass der Besetzungstermin 1. Oktober 2000 mit dieser Befristung verträglich ist.

Wirklich hochinteressant ist die Werbung für die International Conference in Telecommunications and Computer Networks. Diese Veranstaltung wäre zeitlich sogar ausnahmsweise noch erreichbar, wenn nicht die Ministerin ... Aber lassen wir die Ministerin mal außen vor, es sind ja bald Neuwahlen! Die genannte Konferenz jedenfalls wird als Kreuzfahrt auf einem Luxusschiff zwischen Split, Bari, Venedig und Dubrovnik durchgeführt. Wenn ich nur wüsste, wieviel die Kreuzfahrt kostet und wo ich mich anmelden kann, denn man gibt mir nicht den kleinsten Hinweis. Vielleicht sollte ich die Stadtverwaltung in Dubrovnik kontaktieren oder die in Venedig, aber der Erfolg solcher Bemühungen ist erfahrungsgemäß zweifelhaft und außerdem fehlt auch hier die Anschrift. Also muss ich mich damit bescheiden, dass die Konferenz so mutige Fragen behandelt wie "provide an open forum for researchers and engineers to discuss new and emerging systems, standards, services, and their application in different areas". Solch revolutionäre Themen wurden meines Wissens noch nie auf einer Konferenz behandelt, erst recht nicht bei den Java-Informationstagen (siehe oben). Nun gut: "discuss in different areas" könnte bedeuten "in Dubrovnik, in Split und in Venedig". Und mit "new and emerging systems" könnte das Luxusschiff gemeint sein, also "emerging" im Gegensatz zu "submerging" nach dem Vorbild der Titanic ("fluctuat nec mergitur"). Es ist wirklich schade, dass mir die Informationspolitik der Organisationen und der PIK-Werbeseiten-Verantwortlichen keine Chance zur Teilnahme an dieser interessanten Veranstaltung gibt.

Damit sind die Werbeseiten der PIK-Ausgabe 3/99 auch schon fast abgearbeitet - bis auf das etwas kryptische (dafür aber zweimalige) Angebot des beamteten Fachgruppensprechers Berthold Butscher an Studierende. Aber eben nur "fast abgearbeitet", denn auf dem Rückumschlag steht wie schon seit mehreren PIK-Ausgaben (heißen Dank dafür!) die überwiegend gelbfarbige Werbung für Domino Connection. Ich will verraten, was mir daran am besten gefällt: Es ist der geographische Ort, wo die gepunktete Pfeillinie von "Connection Land" endet. Nein, das ist nicht Zittau, sondern fängt eher mit zwei "A" an – da scheint doch jemand nachgedacht zu haben!





In diesem Sinne
Ihr Alois Potton