Alois Potton hat das Wort [Nr. : 54, 12/2005 ]


 

Alois ist stolz auf sich!

 

In der Tat, Alois ist stolz auf sich. Nicht zuletzt wegen der offenbar gelungenen Kolumne zum Thema "Exzellenz-Cluster-Initiative". Viele Kollegen und sogar Rektoratsvertreter haben sich erfreut oder begeistert gezeigt. Allgemeines Schulterklopfen! "Wie mähdzde dat eijendlisch, Jong?". Nun gut, in Aachen sind solche Beiträge geduldet bzw. erwünscht, sogar im Rektorat. Vielleicht sieht das in anderen deutschen Landen etwas anders aus. Aber ich will die Gelegenheit nutzen, um einmal ein paar Tricks zu verraten, die beim Anfertigen einer solchen Kolumne nützlich oder notwendig sind. Möglicherweise hole ich mir durch diese Offenlegung Konkurrenz ins Haus, aber das macht nichts. Hier kommen also gleich vier Tricks:

"Sammeln Sie gute Witze und verfremden Sie diese".
Am besten hierfür eignen sich jüdische Witze, denn die sind am intelligentesten und gleichzeitig am gemeinsten. Ein Beispiel in verkürzter Form: Einstein trifft Hitler und sagt zu ihm: "Die Christen in Deutschland haben drei Eigenschaften: intelligent, ehrlich, nationalsozialistisch". Hitler freut sich wie ein Schneekönig über das unerwartete Kompliment. Darauf Einstein: "Aber man kann bestenfalls zwei von diesen drei Eigenschaften haben". (Und so weiter)... Soweit also der Witz. Und jeder Kundige sollte jetzt erahnen, dass dies die Steilvorlage für die letzten Absätze der Kolumne zur Exzellenz-Cluster-Initiative war. Also geklaut, ich geb’s ja zu! Denselben Kunstgriff habe ich übrigens schon mehrfach verwendet, z.B. mit ODP (Open Distributed Processing) oder mit SSE (Software Systems Engineering). Das geht alles sehr schön und lässt die Leute schmunzeln.

"Beobachten Sie Absurditäten des täglichen Lebens, insbesondere bzgl. IT".
Auch hier ein Beispiel: Ich war neulich Gutachter für Forschungsprojekte in Norwegen. Kann ich nur empfehlen, denn Norwegen ist außerordentlich reich! Also eine diesbezügliche Einladung keinesfalls ablehnen! Kollege Kühn sollte ebenfalls dabei sein, hatte aber übersehen, dass auch für ihn das Jahr nur 365/366 Tage hat, d.h. es gab einen Terminkonflikt (wobei ich an Kühns Stelle die anderen Termine hätte sausen lassen). Für die Evaluation kamen die umfangreichen Unterlagen zuerst per Electronic Mail, dann auch mit normaler Post. Das im Flugzeug mitzunehmende Gepäck geriet dadurch bedenklich an die Gewichtsobergrenze, denn zusätzlich zum gewaltigen Papierberg mussten ja auch noch diverse Bierflaschen mitgenommen werden, denn Norwegen ist nicht nur sehr reich, sondern alkoholmäßig noch sehr viel teurer. Nach der Begutachtung wollte ich - ordentlich wie ich nun einmal bin - die Papierversion der Unterlagen wieder einpacken. Dieses wurde mir aber untersagt. Die Dokumente seien streng vertraulich! Das Verbot machte mein Rückgepäck leicht wie eine Feder, denn die Bierflaschen waren ja inzwischen auch entsorgt. Aber ich frage mich jetzt doch, wie ich mit der Vertraulichkeit der mir per Emails zugestellten Projektbits und -bytes umgehen soll. Der Vorgang könnte den Anstoß zu einer Kolumne über Sinn und Unsinn von Vertraulichkeit, von Datenschutzmaßnahmen usw. werden. Das liegt also auf Halde und muss noch geeignet verfremdet werden.

 

"Merken Sie sich ärgerliche Ereignisse und persiflieren Sie diese später".
Diese Methode soll natürlich auch durch ein Beispiel belegt werden, das bisher aber noch nicht verwendet wurde. Unsere Philosophen würden vornehmer formulieren: „ein Exempel, das noch der Umsetzung bedarf“. Also: Wenn ich vom Rheinland nach München fliege (muss man als Rheinländer ziemlich oft), dann pflege ich ein kleines Radiogerät mitzunehmen. Der Schweizer würde sagen: einen kleinen Radio. In Köln oder Düsseldorf ist das kein Problem, aber auf dem Rückweg macht die Handgepäckkontrolle jedes Mal einen furchtbaren Aufstand. Man verlangt von mir, dass ich das Radio (bzw. den Radio) einschalte und eine dieser grauenhaften Schnulzen von BR 1 abspiele. Diese Unsymmetrie der Kontrolle scheint mir sinnlos. Vor nicht allzu langer Zeit platzte mir deswegen der Kragen und ich verstieg mich fahrlässigerweise zu folgender Äußerung: "Lieber Herr Kontrolleur, Sie scheinen zu glauben, die Tatsache, dass dieses Gerät Volksmusik dudelt, sei ein Beleg für die Abwesenheit von Plastiksprengstoff. Da sind Sie leider schief gewickelt. Es würde mir nämlich leicht gelingen, den Sprengstoff dekorativ um den Lautsprecher zu platzieren und der Radio würde trotzdem spielen“. Diese zugegebenermaßen pampige Rede war ein Fehler, denn jetzt verfiel der Kontrolleur in sein oberbayrisches Idiom: „Jo Herrschaftsseitn, jedz wui I Eana amol zeign, wos a Kondrolln üs“! Sprach’s und zerlegte mich in einem fensterlosen Nachbarraum nach allen Regeln der Kunst, geschlagene zwanzig Minuten lang. Das war nicht angenehm, aber wegen Zeitknappheit mit einer privaten PKW-Fahrt zur bereits auf dem Vorfeld wartenden Maschine gekoppelt. Weniger nett waren die bösen Blicke der Flugzeuginsassen, die sich zu Recht über diesen saumseligen Passagier beschwerten.

"Registrieren Sie Widersprüchliches":
Ein letztes kleines Beispiel: Im Zuge der Ausarbeitung von Studienordnungen für immer neue Studiengänge im In- und Ausland (ca. ein neuer Studiengang pro Monat) hatten wir kürzlich einen Vorgang betreffs eines internationalen Studiengangs in einem südostasiatischen Land (ich erinnere in diesem Zusammenhang an die vorvorige Kolumne "Felix East Asia"). Es ging um die Frage, ob eine bestimmte Lehrveranstaltung verpflichtend (also "mandatory") oder frei wählbar (also "elective") sein solle. Ein ewiges Hin und Her: Der Vorteil von "mandatory" ist, dass man alle Studierenden sieht und entsprechend schikanieren kann. Der Charme von "elective" liegt umgekehrt darin, dass man die Sache ab und zu auch mal ausfallen lassen darf, ohne dass es jemand merkt. Der Gordische Knoten konnte nach langer Diskussion nur durch einen unserer asiatischen Partner durchtrennt werden, der mit entwaffnendem Lächeln die Lösung fand: "Then we will make the course mandatory elective". So einfach ist das! Zur Nachahmung dringend empfohlen. Von Asien lernen, heißt siegen lernen.


In diesem Sinne
Ihr Alois Potton