Alois Potton hat das Wort [Nr. : 62, 12/2007 ]


 

Die IETF

 

Sie ist eine der weltweit wichtigsten Organisationen, die IETF. Ihr Einfluss kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, vor allem in Asien, also in der Region, wo sowieso die Post abgeht. Die paar popeligen Einwohner des westlichen Bushvolks und auch die kaum zahlreicheren EU-ropäer kann man locker mit jeweils mehreren Indern oder Chinesen überdecken – von den Indonesiern, Japanern oder Thais einmal ganz abgesehen. Besonders aber das Bushvolk, das immer noch der irrigen Meinung anhängt, es hätte die IT-Entwicklung für sich gepachtet. Dabei befinden sich die Elefanten der IETF-Szene mittlerweile längst südöstlich des Urals – ebenso wie die wirklichen Großmogule und auch die echten Maharadschas. Bill Gates und Dietmar Hopp sind in diesem Zusammenhang nicht viel mehr als Randfiguren, zumal Letzterer inzwischen sein ganzes Vermögen dazu ver(sch)wendet, den Dorfclub Hoffenheim zum deutschen Fußballmeister machen zu wollen – und stattdessen auf technische Innovationen durchaus zu verzichten bereit zu sein scheint.

IETF verzapft eine Unzahl an eigentlich nicht wirklich verbindlichen Ergüssen, so genannte Draughts sind das. Interessanterweise produziert Google, wenn man ihm die Kombination „IETF Draught“ zu fressen gibt, nur ziemlich unzusammenhängendes Zeugs, wenngleich immerhin 140.000 solcher Schwachsinnigkeiten. Es ist direkt bezeichnend, dass die Edelpisse Miller Genuine Draught etwa ebenso viele, aber deutlich konzisere Treffer liefert. Das zeigt wieder einmal den Stellenwert der IT-Branche, wenn man sich die enorme Trefferzahl für ein Gebräu ansieht, das sich in US-Amerika Bier schimpfen darf. Question: What is the difference between making love in a small canoe and American beer? Answer: There is no difference at all; both are f------ near to water. Das ist ebenso richtig wie absolut unübersetzbar.

Aber zurück zu IETF. Das ist wie gesagt nicht zuletzt in Indien ein heißes Thema. Wenn es diesen so überaus zahllosen Asiaten auch noch gelänge, sich ein auch nur ansatzweise als verständlich zu bezeichnendes Englisch anzueignen, dann hätte Europa ebenso wie Bushland total verschissen. Stattdessen haben aber die Einwohner vieler Regionen des Subkontinents Indien die manische Angewohnheit, zuerst drei Sekunden lang stille zu schweigen und anschließend eine Vielzahl von Silben im Wahnsinnstempo übereinander kollern zu lassen – mit dem Effekt, dass sich das wie ein Kotzvorgang anhört und dass natürlich kein Nichtinder irgendetwas verstehen kann. Infolgedessen bleiben die indischen Gedanken (wenn es denn welche gibt) im Geheimen verborgen und können für uns vorläufig nicht gefährlich werden. Möge dieser Zustand noch recht lange andauern!

 

Überraschenderweise werden die meisten (wenn nicht alle) IETF-Veranstaltungen im Kernland Indien organisiert. Immerhin seit 1975 (!) in Pragati Maidan, New Delhi (wo immer dieser Pragati Maidan auch sein mag). Sie werden von Angehörigen aller Kasten besucht, also vom Brahmanen bis hin zum Paria. Der Umgang mit Vertretern dieser verschiedenen Kasten (im Vergleich zu Deutschland sind sogar recht viele Vertreterinnen präsent) ist nicht selten recht diffizil. Das erkennen wir schon an unseren internationalen Studiengängen, die sich in etwa geviertelt aus Repräsentanten von Indien, Pakistan, China bzw. Rest der Welt rekrutieren. Der typische Inder in unserem Fall heißt so gut wie immer Subramanian oder so, er hat daher reiche Ahnen und deshalb eine entsprechend hohe Serviceorientierung. Der geneigte Leser kann es sich wahrscheinlich nur schwer vorstellen, mit welchen Ansprüchen, wie oft und wie penetrant dieser Angehörige einer hochrangigen Kaste bei uns vorbeischleicht. Einen deutschen Studierenden, der mit denselben oder auch nur halb so hohen Anwandlungen ankäme, würden wir stante pede und hochkant aus der Sprechstunde rauswerfen. Aber wir behandeln unsere deutschen Studierenden nun auch wirklich mies, ich geb’s ja zu. Deshalb kriegen wir regelmäßig grottenschlechte Bewertungsnoten seitens unserer Studierenden, was sich aber ins genaue Gegenteil verkehrt, sobald der Studienabschluss erfolgt ist und der Absolvent als Alumnus zu seiner ehemaligen Alma Mater zurückkehrt. Dann verkündet er mit großer und echter Begeisterung, wie schön und optimal es doch gewesen sei und was man alles an Durchsetzungsvermögen infolge dieser harten Schulung fürs Leben gelernt habe.

Der typische Teilnehmer an einer IETF-Veranstaltung (jedenfalls einer solchen, die in Indien durchgeführt wird) läuft mehr oder weniger zielorientiert durch die Veranstaltungsräume (es handelt sich ja im Regelfalle um sehr große Events, im Jahre 2005 mit nicht weniger als 110.000 Registrierungen!), bei ihm ist im Gegensatz zu Anwesenden eines Amiland-Meetings noch nicht der Laptop am Unterarm festgewachsen. In westlichen Breiten erlebt man ja schon, dass sich durch intensives SMS-Verfassen die Form und Stärke der menschlichen Finger deutlich verändert. Und die Region zwischen linker Ellenbogeninnenseite und zugehörigem Handrücken wird sich in der nächsten Generation so verändert haben, dass ein Laptop wirklich exakt und plan dort anliegt, was die Gefahr des unbeabsichtigten Runterfallens deutlich reduzieren wird. Einige meiner jüngeren Kollegen besitzen bereits diesen quasi permanent am Unterarm angewachsenen Laptop, jedenfalls sind sie noch niemals ohne einen solchen gesichtet worden. Möchte mal wissen, was die eigentlich nachts .... (aber vielleicht fragt man da besser nicht nach). Nebenbemerkung: der Aachener sagt statt „nachts“ einfach „des Nachts“, was eine interessante, aber mir immer noch unerklärliche Umwandlung der (weiblichen) Nacht in ein männliches Gegenstück darstellt; wirklich merkwürdig!

Ich muss leider zugeben, dass ich die meisten meiner in dieser Kolumne zu Papier gebrachten "Weisheiten" nur vom Hörensagen, aber nicht aus eigener Anschauung habe. Denn ich bin alt genug, um mir den Luxus erlauben zu können, auf diese zum Teil recht fürchterliche IETF-Soße verzichten zu können. Aber der Leser wird doch zugeben müssen, dass es insgesamt doch eine spannende Angelegenheit ist mit dieser „International Engineering & Technology Fair“ (abgekürzt IETF); siehe http://en.wikipedia.org/wiki/IETF_INDIA_2007.




In diesem Sinne
Ihr Alois Potton