Alois Potton hat das Wort [Nr. : 72, 03/2010 ]


 

Etepetetene Esel

 

Also ich war wieder einmal in Thailand. Natürlich ist mir klar, dass mich der eine oder der andere Moralapostel dafür tadeln wird. Aber ich kann als Entschuldigung immerhin ins Feld führen, dass wir dort einen gemeinsamen Studiengang mit einer der lokal besten Unis haben, an dem ich mich gern beteilige. Nun taugt das noch nicht unbedingt als Alibi, denn wir haben auch gemeinsame Studiengänge mit dem Oman sowie mit Abu Dhabi und dort enthalte ich mich der Teilnahme, denn dann könnte ich mich ja gleich in Alcatraz einmieten und hätte einen noch schöneren Ausblick aufs Meer. Aber der mögliche Tadel des Moralapostels ist mir total schnurz und piepe.

In Thailand ist es für mich immer wieder spannend, am Zeitschriftenkiosk das neueste Exemplar meiner Lieblingspostille „Slimming“ anzusehen. Das aktuelle Heft machte auf der Titelseite neben den üblichen Hungerharken im Text auf ein paar Highlights aufmerksam (in englischer Sprache, der Rest des Hefts besteht neben Fotos von Unterernährten nur aus thailändischen Schriftzeichen), wovon mich eines zum Nachdenken veranlasste. Es lautete: „Does too much work make you fat?“. Wenn diese These stimmt, kann es durchaus sein, dass ich zeitlebens zu hart gearbeitet habe. Schlimm, schlimm! Aber mehr noch: Kann es denn überhaupt möglich sein, dass etwas Immaterielles wie „Arbeit“ eine Gewichtszunahme veranlasst? Wäre es dann nicht die endgültige Lösung für die Ernährungsprobleme der Welt, alle Menschen zu harter Sklavenarbeit zu zwingen? Fragen über Fragen. Leider hilft mir der Inhalt des Hefts für eine Antwort nicht weiter, denn ich kann ihn ja nicht lesen.

Aber zurück zum Studiengang in Thailand und damit allmählich zum mysteriösen Titel der Kolumne. Die deutschen Professoren sollen im Studiengang nur während seiner Aufbauphase und insbesondere beim Anheuern von vollangestellten Dozenten helfen. Neulich war wieder mal eine Stelle ausgeschrieben und einer der Bewerber überzeugte fachlich sehr. Allerdings musste er auf die Frage, ob er sich schon einmal an einem Industrieprojekt versucht habe, total passen. Sein Chef habe so etwas noch nie gemacht. DFG-Projekte, das ja: Aber Industrie oder EU, das sei ihm nun doch zu flach gewesen. Wir haben dem Kandidaten dann trotzdem eine Beschäftigungsofferte gemacht, weil er für die Verweigerungshaltung seines Chefs nun wirklich nicht verantwortlich war. Promoviert hatte der Kandidat übrigens mit Prädikat an einem der beiden Münchner Exzellenzleuchttürme. Ich sage aber nicht, an welchem. Nur so viel: die LMU war es nicht.

 

Je länger ich über diesen Vorfall nachdachte, desto blümeranter wurde mir. Da verweigern also manche Leutchen jeden Blick aufs Praktische und beschweren sich dann noch, wenn ihr Jahresbudget nicht mal für eine Reise von München nach Passau und zurück reicht. Bemerkung am Rande: Vielleicht war ja ein ähnlicher Effekt auch mit verantwortlich dafür, dass an der wirklich großartig verlaufenen IFIP Networking 2009 in Aachen mit Ausnahme der beiden Lokalmatadoren Lukas und Alois gerade einmal 5 von inzwischen 40 KiVS-ELG-Mitgliedern teilnahmen. Was zur Konsequenz hatte, dass die Sonder-KiVS 2010 abgesagt wurde, bevor sie überhaupt angesagt worden war. Denn mit fünf oder weniger Teilnehmern ist ein Breakeven schwer zu erreichen.

In einer sehr unruhigen Nacht fiel mir dann die folgende Absurdität ein, womit ich endlich zum Titel der aktuellen Kolumne komme:


Etepetetene Esel

Er geht selten fremd, der besemmelte Esel. „Fremd“ dem Feld, welches er nebelgerecht pflegt. Seht her: Er erstellt / bewegt stets Elemente des Eselgeheges nebst des entsprechenden Eselgeleges. Behende verbessert er Exzesse, der Entsetzen erregende Mensch.

Er entbehrt Exzerpten fern der DeEffGeh. Menge der Denkebenen sehr begrenzt. Entgegengesetztes Leben kennt er wegen elender Thesen eben never. Mehrere Exempel: BeEmmWeh nebst DeTeWe, Mercedes etc. - selbst BeEmmEffTeh - fehlen!

Schwerer Denkfehler, lebensgerecht gesehen. Ekel erregt der Kerl. Lebt stets neben der Welt, welche den eng denkenden Seppel nevertheless verehrt. Wehe wehe, wenn der echte Experte des Lebenswerks des Esels gedenkt!




In diesem Sinne
Ihr Alois Potton