Alois Potton hat das Wort [Nr. : 76, 02/2011 ]


 

Zugegebene Irrtümer

 

Wenn RTL oder ein anderer unserer unsäglichen kommerziellen Fernsehsender eine moralisierend-weinerliche Sensationsmeldung von sich gibt, zum Beispiel über einen durch verantwortungslose Wilderer verletzten und auf nur noch drei Beine und einen halben Elfenbeinzahn reduzierten Elefanten, dann heißt es am Ende einer solchen Schmonzette mit schöner Regelmäßigkeit: “Wir halten Sie natürlich weiter auf dem Laufenden”. Es versteht sich von selbst, dass ein solches Versprechen die Schallwelle nicht wert ist, mit der es gesprochen wird. Denn dreibeinige Gegenstände erregen nur kurzfristig Aufmerksamkeit, das gilt für kranke Elefanten genauso wie etwa die liebevolle Ankündigung der Stewardess bei Pakistan International Airways, die da lautet: “Wir kochen jetzt Tee auf dem Dreibein”. Die RTL-Ankündigung “wir halten Sie auf dem Laufenden” zeigt aber noch etwas anderes, nämlich dass RTL das Futur 1 nicht kennt, sondern nur in der Gegenwart verhaftet ist.

Im Gegensatz zu RTL sind Alois aber als Absolvent eines humanistischen Gymnasiums sowohl Futur 1 als auch Futur 2 geläufig und – ein weiterer Kontrapunkt zu RTL – er bleibt am Ball. Soll heißen, dass er bereit ist, auf ein paar Fehleinschätzungen früherer Beiträge einzugehen: Da wäre zunächst einmal die Kolumne, die hieß: “Die Flatrate und andere Flachheiten”. Da war und ist zwar vieles richtig (d.h. Alois steht weiterhin hinter seinen diesbezüglichen Flegeleien), z.B. die Sache mit den F(l)achhochschulen und mit dem uns von der Politik aus Sparwut verordneten Spaghetti-Bolognese-Hackfleischprozess namens “Bologna”. Auch bezüglich Monatskarte und Ehe hat die Flatrate leider nach wie vor ihre durch zu einfachen Gebrauch das Produkt entwertende Funktion. Aber beim Telefon und insbesondere bei der Internetnutzung ist die Flatrate tatsächlich etwas Feines, was Alois seinerzeit noch nicht so gesehen hat (obwohl es auch damals schon möglich gewesen wäre, aber Alois ist halt ein wenig altmodisch und nicht sofort bei jedem ipod oder ipad dabei). Beim Internet aber ist Alois bekennender Anhänger des Internetradios geworden, dessen vielstündige tägliche Nutzung ohne Flatrate einen ja in der Tat arm wie eine Kirchenmaus machen würde. Was sich Alois allerdings bis dato nicht einmal ansatzweise erschließt, ist das Geschäftsmodell der meisten dieser unzähligen Radiosender, die Tag für Tag 24 Stunden bester Musik ohne jegliche Werbung in den Äther bzw. genauer gesagt ins Netz pusten. Wie das möglich ist und sich vielleicht sogar irgendwie rechnet, bleibt unverständlich – vor allem, weil die meisten guten Sender in den USA beheimatetet sind. Das muss einmal zur Ehrenrettung der von Alois sonst oft despektierlich behandelten Vereinigen Staaten gesagt werden. Und das ist rätselhaft, weil der US-Bürger normalerweise nicht im Verdacht steht, gute Leistung kostenfrei abzugeben.

Ein zweiter Fall, wo Alois sich nachgewiesenermaßen geirrt hat, bezieht sich auf die vor gar nicht allzu langer Zeit erschienene Kolumne “etepetene Esel”. Dort wurde berichtet, dass unsere Thai German Graduate School unter maßgeblicher Mitwirkung von Alois einem der Papierform nach hervorragend ausgewiesenen Theoretiker aus dem neben der LMU zweiten Münchner Exzellenzleuchtturm (der sich sogar noch “technisch” zu nennen wagt) eine Dozentur angeboten hatte, die dieser weltfremde Mensch auch annahm, von wo er aber nach kürzester Zeit wieder die Flatter machte. Die zahlreichen und (wie in Thailand üblich) trotz oder wegen ihrer höflichen Formulierung ausgesprochen penetranten Nachfragen bzgl. irgendwelcher Initiativen zu Geld bringenden Kooperationen mit der Industrie gingen ihm beinahe erwartungsgemäß zu stark auf die Nerven.

 

Weniger irrtumsbehaftet sind die Meinungen von Alois zur KiVS-Serie, die sich ja inzwischen in Orten mit höchstens sechs Buchstaben tummelt: Bern, Kassel, Kiel – und beinahe hätte sich auch Aachen mit einer Sonder-KiVS in diese Reihe von keineswegs Metropolen-charakter habenden Orte mit einer Sonder-KiVS eingereiht, die aber wegen des zu erwartenden Missverhältnisses zwischen Aufwand und (finanziellem) Ertrag gerade noch rechtzeitig abgeblasen wurde.

Für Nachwuchswissenschaftler sollten Manuskripteinreichung und Vortrag für die nächst-erreichbare KiVS eigentlich Meilensteine für die anvisierte Karriere sein – so wie die Weltmeisterschaft für einen guten Fußballspieler. Dabei fällt mir beim Stichwort “Nachwuchs” noch eine Episode aus der längst verblichenen Vorabendsendung “Glücksrad” von SAT1 ein (richtig, das war die Sendung mit Sonya Kraus, die damals so gut wie kein Wort sprechen durfte, was sich ja inzwischen geändert hat; ob die neue Sprechfähigkeit aber ein Vorteil für den Zuschauer ist, darf bezweifelt werden). Das Glücksrad zeigte den bereits weitgehend entzifferten Begriff “Nachw - chsmannschaft”, den aber der überaus aufgeregte Kandidat dennoch nicht lösen konnte, sondern in seiner Verzweiflung zu einem Buchstabenkauf griff, nämlich “Ich kaufe ein “i”!”.

Aber zurück zur KiVS: Unseren Jungspunden scheint die KiVS-Motivation aus welchen Gründen auch immer gründlich abhanden gekommen zu sein, anders sind ja die rückläufigen Teilnehmerzahlen nicht zu erklären. Ob die KiVS´11 in Kiel eine Umkehr dieses seit etwa einem Jahrzehnt oder länger zu beobachtenden Schrumpfungsprozesses bewirken kann, das ist zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Kolumne noch nicht bekannt.

Noch einmal zum Vergleich der Weltmeisterschaft für den Fußballer mit der zweijährlich stattfindenden KiVS für den Nachwuchsstar der Informations- und Kommunikationstechnik: Wie sagte schon eine der Darstellerinnen in einem der insgesamt dreizehn Schulmädchen-reports, deren erster Mitte Oktober 2010 sein vierzigjähriges Jubiläum feiern durfte, in einem durchaus anderen – aber doch vielleicht analogen - Zusammenhang: “Der Pelé hat zwar auch täglich trainiert, aber nur alle vier Jahre ist Weltmeisterschaft”.




In diesem Sinne
Ihr Alois Potton