Alois Potton hat das Wort [Nr. : 77, 05/2011 ]


 

Bangkok Post und Data Bases

 

In diesem Beitrag muss ich einmal das Hohe Lied der Bangkok Post singen. Das ist eine Tageszeitung wie ich sie mir auch in Deutschland wünschen würde. Nicht nur wegen ihrer Rätselseite, die einen im Urlaub stundenlang beschäftigt hält und den oder das Oxford Dictionary zum Glühen bringt. Schön ist auch die tägliche Leserbriefseite (die PIK-Leser zeigen sich ja diesbezüglich leider völlig abstinent), aus der man die thailändische Befindlichkeit erahnen kann, obwohl die meisten der unter Pseudonym veröffentlichten Briefe offensichtlich gefälscht sind; aber die momentane Stimmungslage in der Regierung kann man daraus sehr wohl ableiten.

Wunderbar sind auch die eher familiären Kolumnen wie etwa die von Kathy Mitchell & Marcy Sugar, die von zwei alterslosen dem Foto nach etwas übergewichtigen reiferen Damen verantwortet wird und Ratschläge zu Problemen mit Beziehungskisten gibt. Die hier gestellten Fragen sind so aufbereitet, dass sie von Kathy und Marcy leicht beantwortet werden können. Mindestens jeder zweite geschilderte Fall ist mit dem dringenden Hinweis versehen, es müsse unbedingt ein “counseling” vorgenommen werden. Daran erkennt man sofort, dass die Kolumne von der US-Rechtsanwaltsmafia finanziert ist (Hillary Clinton lässt grüßen), denn sie ist natürlich wie viele andere Beiträge der Bangkok Post aus den USA eingekauft.

Die Verbreitung der ebenso bizarren wie puritanischen Regeln des Anstandstigers Miss Manners wurde vor einiger Zeit eingestellt, was beweist, dass auch die konservativste Thailänderin kein besonderes Interesse mehr an der Ausrichtung von Löffeln und Gabeln beim Dinner bzw. an der Zusammenstellung einer gesellschaftspolitisch korrekten Einladungsliste hat.

Und dann gibt es auch regelmäßig eine Vielzahl von sehr gleichartigen Fotos diverser Zusammenkünfte der thailändischen High Society mit sieben bis zwölf stocksteif in Positur gestellten Damen oder Herren, wobei die Unterschrift immer lautet: “XXX … recently hosted (oder donated oder presented) a … on the occasion of …”. Und dann folgt eine Liste von für uns völlig uninteressanten, aber dafür umso längeren Namen und Titeln (denn thailändische Namen sind aus unerfindlichen Gründen furchtbar lang, was bezüglich Informationstheorie oder Entropie widersinnig ist). Das Wort “recently” bedeutet im Klartext, dass die Zeitung eine Menge solcher Fotogalerien sammelt und sie dann bei Bedarf (d.h. wenn sonst nicht viel passiert ist) nach Gusto als Füllmaterial einstreut.

 

Aber es gibt auch “seriösere” Beilagen in der Bangkok Post wie etwa “Classified” (also Stellenangebote), die ich aber immer gleich wegschmeiße, oder “Business”, deren Name bereits Programm ist. Diese Sparte ist aber nicht so voluminös wie die ins Unermessliche ausufernden Wirtschaftsnachrichten des DW-Fernsehens (DW = Deutsche Welle). Mindestens 45 Prozent (und gefühlte 70 Prozent) ihrer Sendezeit vergeigt ja die Deutsche Welle für den Wirtschaftsteil, obwohl dem Vernehmen nach nur ca. 4 Prozent der Deutschen Besitzer von Aktien sind – ich gehöre übrigens zu der schweigenden 96-Prozent-Mehrheit. Auch deswegen ist die Deutsche Welle bei deutschen Expats im Ausland als reines Krämerseelen-Programm gnadenlos verhasst, wie ich von vielen Expats weiß.

Viel informativer (nomen est omen!) sind die Beilagen der Bangkok Post, die “Education” oder “Database” heißen. Erstere zeigt, dass nicht nur bei uns der Kenntnisstand von Schülern und Studierenden dringend der Verbesserung bedarf (und zwar nicht allein des Genitivs wegen, der ja bereits in Kaiserslautern - geschweige denn in Kusel - eine Terra Incognita ist).

In der Rubrik “Database” wiederum findet man eigentlich nichts von dem, was in unseren Vorlesungen über Datenbanken so alles angepriesen wird – und was bei Lichte besehen heutzutage total out ist. Dafür aber unglaublich viel zum Thema “neueste Entwicklungen auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnik” zusammen mit Markttrends, bei denen einem die Ohren nur so schlackern. Das Ganze ohne Formeln oder “Greek Letters”, aber dafür mit desto überzeugenderen Schaubildern und dergleichen aufbereitet. Tröstlich an dem Ganzen ist nur, dass der thailändische Zeitungsleser diese Informationen wegen totaler Unkenntnis der englischen Sprache nicht verstehen kann.

Es gab kürzlich eine Initiative, das Englische in Thailand zur zweiten Amtssprache zu machen, die aber umgehend abgeschmettert wurde. Deutschland sollte die Gegner der Verbreitung der englischen Sprache in Thailand oder anderswo nachhaltig unterstützen – mit dem scheinheiligen Argument, man müsse die Thaikultur erhalten und nicht durch englische Einflüsse verfremden. Keineswegs aber darf dabei der wahre Grund genannt werden, nämlich die unzureichenden Englischkenntnisse der Thailänder und auf diese Weise die deutsche Konkurrenzfähigkeit noch für eine gewisse Zeit aufrechtzuerhalten.




In diesem Sinne
Ihr Alois Potton